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Glockengeschichte
Im Jahr 1595 wurden, wie die Urkunden berichten, im Torturm zwei große Glocken aufgehängt.
Schon damals bestand vermutlich das Geläute aus vier Glocken. Jedenfalls waren es vier
Glocken, die zugrunde gingen, als im Jahr 1689 der obere Teil des Torturms einstürzte.
Die Regierung wollte damals den Turm nicht wieder errichten, obwohl sein unterer Teil
noch fest stand. Aber auf den einmütigen Wunsch der Bürgerschaft wurde er im Jahr 1702
auf 1703 wieder aufgebaut. In sieben Oberämtern des Landes wurde damals für diesen Turm
gesammelt. Im Jahr 1705/1706 wurden wieder vier Glocken auf den Turm gebracht. Aber auch
dieses Geläut wurde zerstört, als in der Nacht vom 8/9. Januar 1831 der Turm brannte.
Damals konnte der Turm noch im selben Jahr wiederhergestellt werden, freilich ohne die
alte Turmwächterwohnung. Auch drei neue Glocken wurden sofort beschafft, und am 22.
September 1831 konnten Turm und Geläute mit einem Festgottesdienst eingeweiht werden.
Die drei Glocken wurden damals von der Firma Ludwig Neubert in Ludwigsburg gegossen.
Die große Glocke (Durchmesser 120 cm, Gewicht 1100 kg) trug folgende Inschrift:
"In der Nacht vom 8.auf 9. Januar 1831 brannte der Kirchen- und zugleich obere Torturm
samt Uhr und vier Glocken ab und wurde in demselben Jahr wieder aufgebaut.
Ihm, der in schreckenvoller Nacht
mit Lieb und Huld an uns gedacht,
sei ewig Ehr und Preis gebracht":
Die mittlere Glocke (Durchmesser 95 cm, Gewicht 530 kg) hatte die Inschrift:
"Lobt, Menschen, Gott in seinem Heiligtum,
wann ich erschall zu seines Namens Ruhm".
Die kleine Glocke (Durchmesser 80 cm, Gewicht 258 kg) trug das Wort:
"Wer mich hört, nah oder fern,
walle froh zum Haus des Herrn."
Als Verzierung trugen alle Glocken am oberen Rand umlaufend Weinlaub und Trauben, am
unteren Rand Eichenlaub und Eicheln.
Glocken aus Eisenhartguss
Im Jahr 1917 mussten die große und die kleine Glocke an den
Reichsmilitärfiskus abgeliefert werden. Am Dienstag, 24. Juli, wurden sie vom Turm
geholt. Die mittlere
Glocke blieb zurück. Sie wurde 1920 an die Kirchengemeinde Biberach Kreis Heilbronn verkauft.
Im Jahr 1920 wurden dann drei Eisenhartguss- glocken von der Firma Schilling & Lattemann,
Apolda (Thüringen), gekauft. Das sind die Glocken, die bis zum Jahr 1968 geläutet haben.
Große Glocke: Ton f ', Durchmesser 147 cm, Gewicht 1296 kg Inschrift:
"In schwerer Zeit dem Herrn geweiht."
Mittlere Glocke: Ton as', Durchmesser 120 cm, Gewicht 759 kg Inschrift:
"Vertrau auf Gott, er hilft in Not."
Kleine Glocke: Ton c ', Durchmesser 95 cm, Gewicht 369 kg Inschrift:
"Herr, Vernimm unsre Stimm".
Das Geläut war in seinem Klang unbefriedigend.
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Der landeskirchliche Glockensachverständige
urteilte darüber: "Vorhanden sind drei musikalisch und auch materialmäßig sehr schlechte
Eisenhartgussglocken, die Schlagtonlinie dieses Geläutes ist völlig missraten, und durch
die Aufhängung in gestelzten Jochen klingt das Geläute rhythmisch lahm."
Neue Glocken
Die Glocken von 1917 hatten inzwischen erhebliche Schäden, deshalb entschloss sich der
Kirchengemeinderat am 8. Juni 1967 zur Anschaffung von vier neuen Bronzeglocken.
Die Gemeinde unterstützte dieses Vorhaben durch große Opfer und Spenden. Am 2. März 1968
fand ein Bazar zugunsten der neuen Glocken statt, das "Neuenstädter Glockenfest".
Zu diesem Fest wurde mit folgenden Versen eingeladen:
"Die Glocken, die mit vollem Klang
einst unser Stolz und Freude waren,
verstummen ließ ein harter Zwang
im Krieg vor über 50 Jahren.
Die Notzeit schuf ein Notgeläut
aus Eisen statt aus Bronzeguss.
Es hat uns treu gedient bis heute,
doch jetzt man es erneuern muss.
Der Rost hat tief sich eingefressen
und brüchig wird schon das Metall,
der Klang ist nicht mehr rein, gemessen
an andern Glocken rings im Tal.
Drum wollen wir wie in Väter Tagen
ans Werk uns machen nimmer bang
und unsre Enkel werden sagen:
Wie schön ist Heimatglockenklang!
Doch über allem: Gott zu ehren
erklinge unsrer Glocken Lied,
ein Ruf, der alle, die ihn hören,
hin zu der wahren Heimat zieht".
Am 5. Juli 1968 fand unter Beteiligung vieler Gemeindeglieder der Glockenguss bei der Firma
Bachert in Kochendorf statt. Am 14. September wurden die neuen Glocken eingeholt mit
einem Festzug durch die Stadt und mit einer Feier auf dem äußeren Marktplatz. Am 29.
September wurde in einem Gottesdienst das neue Geläut eingeweiht. Vier Kirchengemeinderäte
stellten die Glocken mit einem kurzen, Wort und ihre Aufgabe der Gemeinde vor.
Dominica: Ton d', Durchmesser 138,5 cm, Gewicht 1517 kg
Inschrift: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden".
Glockenzier: Christusmonogramm mit A und 0.
Betglocke: Ton e', Durchmesser 123 cm, Gewicht 1030 kg
Inschrift: "Dein Wille geschehe."
Glockenzier: Griechisches Kreuz, von Weintrauben umrankt.
Kreuz- und Schiedglocke: Ton fis', Durch- messer 109,2 cm, Gewicht 718 kg
Inschrift: "Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben".
Glockenzier: Schlichtes Kreuz.
Taufglocke: Ton a', Durchmesser 96 cm, Gewicht 555 kg
Inschrift: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur".
Glockenzier: Lilie mit Wellenlinien.
Gott wolle geben, dass diese Glocken lange Jahre im Frieden über unserer Stadt erklingen,
uns zur Mahnung und zum Trost, ihm zur Ehre!
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